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Autor: Dipl.-Ing. René Fuchs 2019,  Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (IHK)

Bestellungsgebiet: Schimmelpilze und Schadstoffe in Innenräumen

Sachverständigenbüro Dipl.-Ing. René Fuchs

Ihr Partner für gesunde Innenraumluft

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Schimmel in Archiven, Aktenlagern, Museen in Berlin und Brandenburg

Zusammenfassung

In Berliner Archiven, Magazinen, Aktenlagern und gewerblichen Lagerräumen sind mikrobiologischer Befall auf Wänden oder Archivgut nicht selten. Das vorliegende Informationsblatt stellt die wichtigsten Schadensvarianten, Untersuchungsmethoden, Sanierungsmöglichkeiten zu Wiederherstellung hygienisch einwandfreier Arbeitsbedingungen und zum Schutz des Archivguts dar sowie technische Vorsorgemaßnahmen, um Schimmel in Archiven vorzubeugen.

Ursachen Schimmelbefall in Archiven, Aktenlagern und Museen in Berlin

Archive, Magazine, Aktenlager und gewerbliche Lagerräume weisen ideale Wachstumsvoraussetzungen für Mikroorganismen auf: Die zellulosehaltigen Materialoberflächen von Akten, das Papier der Dokumente und die Holzoberflächen von Regalen oder Bilderrahmen sind sehr gute organische Nährböden die zusammen mit den Altstaubablagerungen leicht zu Befall führen können, sobald erhöhte Luftfeuchte hinzukommt.

Lagerräume sind oft in Kellern, Dachböden oder Nebengebäuden eingerichtet und weisen daher für Schimmelpilze günstige Raumklimabedingungen auf. Außerdem kann durch Wasserschadensereignisse (Hochwasser, Rückstauschäden, Grundwasserspiegel im Bereich der Spreeufer und dadurch feuchte Fundamentsockel) schnell zur Besiedlung von eingelagertem Archivgut (Akten, Ordnern, Kartons, Kunstwerken, Holzpaletten, Regalen) kommen.

Es entsteht meist nicht nur Schimmelpilzbefall sondern auch Nachfolgebesiedlungen mit Staubläusen und Vorratsmilben und Insekten.

Gesundheitliche Effekte für Archivmitarbeiter und Restauratoren

Bei Arbeiten in Räumen mit Schimmelbefall kann es bei den Beschäftigten zu verschiedenen gesundheitlichen Effekten kommen. Allergikern und Asthmatiker können mit Symptomverschlechterung reagieren und über Fließschnupfen, Schleimhautreizungen der Augen, Nase und der Atemwege klagen. ,

Durch vergleichende Messungen wissen wir, dass bei der Arbeit mit befallenen Akten, Ordnern, Bildern oder Museumsexponaten, durch die Staub- und Sporenfreisetzung die Raumluftkonzentrationen um Faktor 100 bis 1000 mal höher sind als im Ruhezustand..

Rechtliche Rahmenbedingungen Schimmel in Archiven

Die juristisch verbindliche Vorgaben zum Schutz der Beschäftigten sind in der Biostoffverordnung (Fassung 2013: BGBl. I S. 2514) sowie in der TRBA 240 (2010/2015) dargestellt. Die Einhaltung der Arbeitsschutzregeln ist unabhängig davon, ob es sich um öffentliche Träger, Gerichtsarchive, Museen oder privatrechtliche Archive von Steuerberatern, Verischerungsen oder andere Lagerräume von Firmen handelt.

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz sowie §§ 4, 6 der BiostoffVO sollte für die eine Gefährdungsbeurteilung routinemäßig eine Überprüfung des mikrobiologischen Status (Archivalien, Raumluft) vorgenommen werden. Eine Unterweisung des Personals für die nicht gezielte Tätigkeit in ggf. mit biologischen Gefahrstoffen kontaminierten Bereichen ist erforderlich und falls mikrobielle Schäden vorhanden sind, ist nach TRBA 460 eine Bestimmung der Schimmelpilzgattungen zwecks Gefährdungsbeurteilung durchzuführen (Anhang 2 BioStoffV).

Auszug aus TRBA 240 (2010):

Für Innenräume gelten die Empfehlungen des Schimmelpilz-Leitfadens 2017 des Umweltbundesamtes (UBA).  Ab Befallsgrößen > 0,5 m² erfolgt hier eine Einstufung in die höchste Schadenskategorie „3“. Bei Schäden der Kategorie „3“ empfiehlt der UBA-Leitfaden die Hinzuziehung eines Sachverständigen für die Bewertung und Festlegung der kurzfristige Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen.

Untersuchung von Schimmelbefall in Archiven, Lagerräumen, Museen

Abhängig von der Art des Schadens, Kondenswasserschäden oder direkte Wassereinwirkung bilden sich typische Schimmelpilzbesiedlungen auf den Oberflächen, Schimmelpilze in Folge erhöhter Luftfeuchte sind meist Penicillium, Acremonium, Aspergillus-Arten. Bei Wasserschäden können potentielle Toxinbildner wie Stachybotrys oder Chaetomium auftreten.

Zur Abklärung werden vom Schimmelpilzsachverständigen Oberflächenproben (RODAC-Nährböden oder Folienkontaktproben) zu Analyse entnommen. Für die Überprüfung bezüglich einer eventuellen Raumluftbelastung werden in den Räumlichkeiten unter verschiedenen Nutzungsbedingungen Luftmessungen mit Nährböden oder Partikelsammlung ausgeführt.

Wenn die vollständig erfasst und dokumentiert ist, können zusammen mit dem Auftraggeber und den Nutzern angepasste Sofortmaßnahmen, ggf. ein Schutzkonzept erarbeitet werden, wie der Zeitraum bis zu den abschließenden Sanierungsmaßnahmen ein sicherer Zugang zu den Materialien gewährleistet werden kann.

Schimmelsanierungsmaßnahmen in Berliner Archiven, Lagern, Museen-

Gebäudebehandlung und Archivgut

a)       Schimmelpilzsanierung an Gebäudeoberflächen

Bei Wasserschäden an Fußbodenaufbauten sind die Vorgaben der Fußboden-Richtlinie des Umweltbundesamtes /14/ zu beachten. Hierbei entscheidet sich, ob technisch getrocknet werden kann oder der Fußbodenaufbau wegen starker mikrobieller Belastungen oder Gerüche demontiert werden muss, insbesondere bei Überschwemmungen oder Abwasserschäden.

Die Vorgaben für eine sachgerechte Schimmelpilzsanierung sind im Schimmelpilz-Leitfaden 2017  und in der BG Bau DGUV -I 201-028 (früher BGI 858) dargestellt:

  1. Staub- und sporendichte Abschottungen herstellen, ggf. ergänzt durch eine technische Luftführung für die Reduzierung der Sporenkonzentrationen im Bereich
  2. Ausbau schimmelbefallener Materialien
  3. Sichtkontrolle der Demontage
  4. abschließende Feinreinigung aller Oberflächen mit H12/13-Saugern und eine mehrstufige Feuchtreinigung mit desinfizierenden Zusätzen
  5. Messtechnische Erfolgskontrolle (Raumluft, Oberflächen)
  6. Wiederherstellung

b)       Schimmelpilzsanierung an Inventar

Das verschimmelte Archivmaterial kann meist nicht entsorgt werden, sondern lediglich verschimmelte Verpackungen, wie Aktenordnerdeckel oder Kartons. Das Archivgut, Akteninhalte, Kunstgegenstände, Bilder muss durch angepasste Deaktivierungen und Reinigung weitestgehend von Schimmel befreit werden.

Der erste Schritt ist die vollständige technische Trocknung, wenn möglich durch Gefriertrocknungen kombiniert mit Absaugungen. Danach werden die Oberflächen mit Feinstaubsaugern (H12/13) gereinigt und chemisch deaktiviert. Begasungen oder Bestrahlungen sind möglich, aber als alleinige Maßnahme nicht ausreichend.

Auch desinfizierte und deaktivierte Schimmelbefallsreste können zu Reizungen oder allergischen Effekten bei den Beschäftigten führen. Der Erfolg der Reinigungsmaßnahmen sollte durch Luftmessungen und Oberflächenproben (Folienkontakte, Partikelsammlung, keine nährbodengestützten Messverfahren!) überprüft werden.

Auf persönliche Schutzmaßnahmen bei der weiteren Nutzung kann nur verzichtet werden, wenn die Befallsanteile (Sporen, Gerüche und Fragmente) deutlich reduziert wurden.

Vorsorgemaßnahmen gegen mikrobiellen Befall in Archiven und Lageräumen

Gegen Schadensfälle, wie Wasserschäden, Überschwemmungen oder Löschwassereinträge kann man sich nur bedingt schützen.

Das Raumklima in Archivräumen und Lagern sollte überwacht werden (Datenlogger). Die Raumlufttemperaturen sollten gleichmäßig bei etwa 18°C liegen, die relative Feuchte um 50%. Es sollte kein Raumluftverbund zu wärmeren oder feuchten Bereichen bestehen. Hygrostatgesteuerte Belüftungen oder Trocknungsgeräte sind mechanischen Belüftungen vorzuziehen, um sommerliche Kondensation zu vermeiden.

Unser Ingenieurbüro führt in Berlin und Brandenburg seit 20 Jahre Raumluftmessungen und Untersuchungen zur Bewertung der Raumluftqualität in Gewerbeobjekten, Aktenlagern, Archiven und Museen oder im Rahmen von gerichtlichen Auseinandersetzungen durch. Kontaktieren Sie uns für eine Vorbesprechung und Angebotseinholung:

Sachverständigenbüro Dipl.-Ing. René Fuchs

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der IHK

Schimmelpilze und Schadstoffe in Innenräumen

 

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 Literaturverzeichnis

/1/ W. Mücke, Ch. Lemmen: Schimmelpilze, Vorkommen, Gesundheitsgefahren, Schutzmaßnahmen, ecomed-Verlag Landsberg 1999

/2/ Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von        Schimmelpilzwachstum in Innenräumen, „Schimmelpilz-Leitfaden“

       Innenraumlufthygienekommission des Umweltbundesamtes 2002

       http://www.umweltbundesamt.de

/3/ Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen, „Schimmelpilzsanierung-Leitfaden“

       Innenraumlufthygienekommission des Umweltbundesamtes 2005

       http://www.umweltbundesamt.de

/4/ Dr. Regine Szewzyk, Umweltbundesamt Berlin, Fachvortrag beim 15. VDB-Pilztagung im Kloster Banz am 20.06.2011

„WHO Guidlines on dampness and mould“

/5/ Dr. Regine Szewzyk, Umweltbundesamt Berlin, Bauen im Bestand, Ausgabe 5/2013, Spezial: Sanierung von Feuchteschäden

/6/  VDI 4300 Bl. 1 : Messen von Innenraumluftverunreinigungen, Allgemeine Aspekte der Messtrategie, VDI/DIN-Handbuch Reinhaltung der Luft Bd 5, 1995

/7/  VDI 4300 Bl. 10 : Messen von Innenraumluftverunreinigungen, -Messstrategien zum Nachweis von Schimmelpilzen im Innenraum, VDI/DIN-Handbuch Reinhaltung der Luft, 2008

/8/  DIN-ISO 16000-1: Innenraumluftverunreinigungen - Teil 1: Allgemeine Aspekte der Probenahmestrategie (ISO 16000-1:2004); Deutsche Fassung EN ISO 16000-1:2006

/9/  DIN-ISO 16000-19: Innenraumluftverunreinigungen, Probenahmestrategie für Schimmelpilze (ISO 16000-19:2012)

/10/ DIN-ISO 16000-21: Nachweis und Zählung von Schimmelpilzen - Probenahme von Materialien (ISO/DIS 16000-21:2012)

/11/ Umweltbundesamt UBA, Handlungsempfehlung bei Feuchteschäden in Fußböden, Entwurf zur Diskussion, Entwurf 2013

/12/ Dr. Blei: Untersuchungen zu Desinfektionsmöglichkeiten und Richtwertermittlungen bei mikrobiellen Schäden in innenraumspezifischen Zementestrich- Fußbodenkonstruktionen, Umweltmed Forsch Prax 14 (5) 240 - 278, ecomed Medizin, Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Landsberg
Blei, M.

 

/13/ Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft BGI 858: Gesundheitsgefährdung durch biologische Arbeitsstoffe bei der Gebäudesanierung, 2006

/14/ Beurteilung von mikrobiell befallenen Materialien aus der Trittschalldämmung

Dipl. Biol. Nicole Richardson, ö.b.u.v. Sachverständige für Schimmelpilze und andere Innenraumschadstoffe, Sachverständigenbüro Richardson, Husemannstraße 17, 58452 Witten, Veröffentlicht in: AGÖF Kongress Reader September 2010

/15/ Umweltbundesamt UBA, : "Schimmelbefall in der Wohnung“

 Umweltbundesamt, Presseinformation26/2009

/16/ Meider, Judith:

Analysis of total cell count in building material - a new way to assess microbial contamination after water damages - Determining the microbiological total cell count in building material, using fluorescence microscopy with Acridine orange.“

 Healthy Buildings 2015 Europe, Eindhoven NL, Paper ID 583

 

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