Autor: Dipl.-Ing. René Fuchs 2019,  Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (IHK)

Bestellungsgebiet: Schimmelpilze und Schadstoffe in Innenräumen

 

Sachverständigenbüro Dipl.-Ing. René Fuchs

Ihr Baubiologie-Partner für gesunde Innenraumluft

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Künstliche Mineralfasern (KMF) in Dämmungen, sachgerechte Bewertung, mögliche Gesundheitsgefährdungen, Sanierungsbedarf oder Verbleib

Zusammenfassung

Seit Anfang der 1990er Jahre hat eine Neubewertung und Einstufung alter Mineralfaserdämmstoffe stattgefunden, so dass heute KMF-Produkte aus den Produktionsjahren vor 1996 aufgrund ihres Kanzerogenitätsindex (KI-Index < 30) und ihrer Fasergeometrie als krebserzeugend eingestuft werden (Kategorie 2 oder 3).

Anders als bei Asbest gibt es jedoch in den zu beachtenden Regelwerken TRGS 905, Gefahrstoffverordnung und TRGS 521 keine generelle Erkundungs- oder Bewertungspflicht und keine Sanierungsbedürftigkeit von alten Dämmungen, wenn sie sachgerecht verbaut sind und keine Faserverfrachtungen in die Innenräume stattfinden können.

Aber wenn heute bei Gebäudeumbauten, beim Einziehen neuer EDV-Kabel über abgehängten Decken, bei der Nachrüstung von Brandmeldern auch die älteren Mineralfaserdämmungen angefasst werden müssen, greifen die Vorgaben der Regelwerke, die abhängig von der Staub- und Faserfreisetzung Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten und den Umgebungsschutz vorschreiben. Aufgewirbelte faserhaltige Baustäube können schnell zu Schleimhautreizungen und anderen Beschwerden in angrenzenden Bürobereichen führen. Eine Erkundung und Bewertung der vorhandenen Dämmmaterialien und eine sorgfältige Planung von Arbeiten an alten Mineralfaserdämmungen ist daher immer zu empfehlen, wenn meine keine unangenehmen Überraschungen bei den Baumaßnahmen erleben möchte.

Unsere erfahrenen Umweltingenieure finden eine passende Lösung für Ihr Objekt in Berlin oder im Brandenburger Umland.

 

Die heute im Hochbau eingesetzten künstlichen Mineralfaserprodukte bestehen aus mineralischen Faserstrukturen (Sande, Basalt, Altglas), die aufgeschäumt und anschließend durch Bindemittel, wie Phenolharze oder Latex, gebunden und stabilisiert werden. Häufig werden noch Imprägnierungen zur Verbesserung des Verstaubungsverhaltens hinzugegeben (Silikonöle o.a.).

Künstliche Mineralfasern (Glas-, Keramik-, Steinfasern) werden in Gebäuden als Dämmstoffe und Isolierungen (Gebäudefassadendämmung, Rohrleitungen, Estrichdämmung, Dämmung von Leichtbauwänden, Brandschutzschichten) verwendet. Materialien aus dem Jahr 2000 oder später gesundheitlich sind meist unbedenklich; vor dem Jahr 1996 wurden vielfach noch kritische Faserbaustoffe eingesetzt.

Unkritischere, neuere KMF-Materialien können anhand des RAL-Gütezeichens „Mineralwolle“ auf der Verpackung identifiziert werden.

Die Überprüfung von älteren Dämmungen bei Unklarheit darüber, um welches Material es sich handelt, kann durch Ermittlung des sogenannten Kanzerogenitätsindex (KI-Index) erfolgen. Dieser wird durch eine chemische Analyse ermittelt. Das krebserzeugende Potential ist umso größer je kleiner der KI-Index ist. Fasern mit einem KI-Index über 40 gelten als nicht krebserzeugend.

Gesundheitsgefährdung durch KMF-Produkte in Gebäuden

Unsere sachverständigen Ingenieure werden oftmals hinzugerufen, wenn es durch unsachgemäßen Umgang oder durch Faserverfrachtung aus Baustellenbereichen z.B. bei Unwetterschäden, zu hohen Faserfreisetzungen in die Raumluft und in der Folge zu akuten Haut-, Schleimhaut und Augenreizungen in den benachbarten Bürobereichen gekommen ist. Die größeren Faserbestandteile führen dann zu den akuten mechanischen Wirkungen (Haut, Schleimhäute). Außerdem kann es auch Langzeitwirkungen durch das Einatmen kleinerer Faserfraktionen geben.


Auf Basis verschiedener Untersuchungen ergeben sich folgende Risikoabschätzungen für ältere KMF-Dämmmaterialien:

- Mineralfaserdämmungen (KMF) verbaut hinter dichten Verkleidungen

In dieser Einbausituation findet unter normalen Raumbedingungen kein Eindringen von signifikanten Fasermengen in den Innenraum statt. Ausnahme ist die Zeit von Dichtheitsprüfungen mit Blower-Door im Unterdruck, dann können kurzzeitig erhöhte Faserkonzentrationen auftreten.


- Mineralfaserdämmungen (KMF) auf teilweise offenen, abgehängten Decken

Bei aufliegenden Dämmungen auf luftundichten Deckenkonstruktionen ohne Rieselschutz (z.B. Metallpaneeldecken mit aufgelegten Dämmmatten) kann bei starken Luftzrikulationen oder Erschütterungen (Verkehr) abhängig von der örtlichen Situation zeitweise eine erhöhte Faserfreisetzung  in die Raumluft stattfinden.


- Mineralfaserdämmungen (KMF) bei Arbeiten an Decken oder Wänden

Bei unsachgemäßem Umgang mit Dämmmaterialien ( Umbau- oder Instandhaltungsarbeiten) kann es kurzzeitig zur Faserfreisetzung  hohen Faserkonzentrationen kommen. Im Vergleich zu Asbestfasern  sedimentieren künstliche Mineralfasern aber relativ schnell und es kommt es in der Regel innerhalb weniger Stunden wieder zu einer Normalisierung der Raumluftkonzentrationen. Sedimentierte Fasern müssen durch eine mehrstufige Reinigung entfernt werden.

Was bedeutet dies für Gebäudeeigentümer, Planer und Ausführenden?

Es besteht auch heute kein generelles Sanierungsgebot für „alte Mineralfaserdämmungen“. Das Altmaterial muss jedoch sachgerecht behandelt werden und darf nach Ausbau nur in begründeten Fällen wieder eingebaut werden.  Die Regelungen bezüglich Einstufung nach Gefahrstoffverordnung und TRGS 521 sind eindeutig, die heutige Baupraxis zurzeit noch eine andere Welt. Bei Umbaumaßnahmen oder Arbeiten im Deckenbereich werden auch heute noch Dämmmatten auf Bürotischen oder Bürofußböden abgelegt oder oder Rollwagen mit offenen Dämmmaterialien durch Flure und Foyerbereiche abtransportiert.

Wenn von einer kritischen Einstufung ausgegangen werden muss, sind die Ersatzstoff-, Anzeige- und Überwachungspflichten nach Anhang V Nr. 7 (1) GefStoffV zu beachten und die Schutzmaßnahmen der TRGS 521 einzuhalten. Die Ermittlungspflicht, ob es sich bei den Produkten um kritische faserförmige Produkte handelt, liegt beim Bauherrn. Die Beurteilung der Staub- und Faserfreisetzung und Festlegung der Schutz- und Sicherungsmaßnahmen beim Arbeitgeber der Beschäftigten.

 
Umgang mit kritisch einzustufenden KMF-Produkten

Beim Umgang mit kritischen Faserdämmstoffen sind die Sicherheitsvorschriften der TRGS 521 einzuhalten: Anzeige der Arbeiten bei der Berufsgenossenschaft oder zuständigen Arbeitsschutzbehörde, Durchführung von organisatorischen Schutzmaßnahmen (Abschottungen, Kennzeichnung der Bereiche) und persönlicher Schutzmaßnahmen, Einsatz berufsgenossenschaftlichen oder behördlich anerkannten Arbeitsverfahren oder gegebenenfalls die messtechnische Überprüfung der Einhaltung der Luftgrenzwerte der TRGS 900. Wenn die Arbeiten an den Dämmmaterialien abhängig von der Einbausituation und Arbeitsmethode in höhere Schutzstufen fallen, sind besondere Schutzmaßnahmen bei der Sanierung erforderlich. Bei staubenden Arbeiten sind Schutzmasken und –anzüge zu tragen. Technische Lüftungsmaßnahmen und staubdichte Folienabkölebungen sind nicht obligatorisch, können aber helfen den Arbeitsbereich gegenüber den benachbarten Gebäudeteilen abzuschotten und die Luftkonzentration zu reduzieren.

Sollen die Dämmmaterialien nicht wieder eingebaut werden, ist eine staubdichte Verpackung herzustellen. Die Transportbehälter/ Säcke müssen vor dem Transport durch das Gebäude mit Staubsaugern und feucht abgereinigt werden, um eine Faserverschleppung zu vermeiden, sachgerechter Abtransport, Lagerung und Entsorgung sind zu sichern.

Folgende Maßnahmen sind vor/bei Demontagearbeiten erforderlich:

  1. Ermittlungspflicht des Arbeitgebers der ausführenden Firma
  2. Auswahl geeigneter Arbeitsverfahren und einer zugelassener Fachfirma
  3. Anmeldung der Sanierungsarbeiten bei der Arbeitsschutzbehörde
  4. Eingrenzung u. Kennzeichnung des Arbeitsbereiches
  5. Technische Maßnahmen zur Faserstaubminderung
  6. Persönliche Schutzausrüstung (Atemschutz P2, partikeldichte Schutzanzüge)
  7. Staubdichte Abfallverpackung und Kennzeichnung

Nach Abschluss der Arbeiten ist der gesamte Arbeitsbereich sorgfältig mit Staubsaugern und feucht von Faserstäuben zu reinigen. Eine messtechnische Erfolgskontrolle wie bei Asbestsanierungen ist nicht vorgeschrieben, kann jedoch unter dem Aspekt der Vorsorge für die nachfolgenden Gewerke und zur abschließenden Überprüfung der ordnungsgemäßen Sanierungsausführung  erwogen werden.


Unsere Ingenieurdienstleistungen bei Erkundung und Sanierung


Unser Sachverständigenbüro kann durch Gebäudebegehungen und Schadstoffkataster die Lage, Massenbestimmung und Klassifizierung der verschiedenen Arten von Dämmmaterialien im Gebäudebereich vor Beginn von Umbaumaßnahmen, Arbeiten an abgehängten Decken, Dämmmaßnahmen, Nachrüstung von Brandschutzeinrichtungen, wie Rauchmeldern in Deckenelementen, feststellen und Konzepte und Hinweise für den sachgerechten Umgang mit den Dämmmaterialien erarbeiten.

Im Falle des Verdachts einer Gesundheitsgefährdung durch Mineralfasern können:

-          Raumluftmessungen (Faserkonzentrationsmessungen) vorgenommen werden, gemäß VDI Richtlinie 3492 - Auswertung mittels Rasterelektronenmikroskopie

-          Faserablagerungen auf Oberflächen und Inventar mittels Kontaktproben ermittelt werden.

Sollten Sanierungsmaßnahmen anstehen können wir die Sanierungsplanung mitgestalten und die Sanierung begleiten. Kontaktieren Sie uns für eine Beratung oder ein Angebot.

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Literaturnachweis:
Umweltbundesamt Texte 36/97: Technische Maßnahmen zur Verminderung der Risiken durch künstliche Mineralfasern (KMF) sowie Anforderungen an mögliche Alternativen, Forschungsbericht 101 01 131, UBA-FB 98-036/// Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 905: Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe, Ausgabe April 1995, Bekanntmachung des BMA betreffend die TRGS 905; Bundesarbeitsblatt 10 (1996)/// Umweltbundesamt: Untersuchungen zur Innenraumbelastung durch faserförmige Stäube aus eingebauten Mineralwolle-Erzeugnissen; UBA-Texte 30/94, Umweltbundesamt 1994/// Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 521: Faserstäube Ausgabe Oktober 1996/ Fassung April 1999, Carl Heymanns Verlag Köln/// Länderausschuß für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik LASI: Leitfaden Künstliche Mineralfasern LV 17

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