Autor: Dipl.-Ing. René Fuchs 2019,  Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (IHK)

Bestellungsgebiet: Schimmelpilze und Schadstoffe in Innenräumen

 

Sachverständigenbüro Dipl.-Ing. René Fuchs

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Schimmelpilzbefall am Dachstuhl bei Neubau und Umbau

Zusammenfassung

In neu errichteten Gebäuden, bei Aufstockungen an Bestandsgebäuden, Ausbau von Dachgeschossen oder bei Umbaumaßnahmen kann es zu Feuchteschäden und anschließendem Schimmelpilzbefall kommen. Ursachen können Niederschlag, undichte Luftdichtheitsebenen durch defekte Folien oder unsachgemäße Leitungsdurchführungen, Kondenswasser- oder Eisbildung am Dach sein. Die Schadenssituation ist in jedem Objekt unterschiedlich. Die Schadensschwerpunkte können sich an den Hölzern des Dachstuhls (Sparren, Schalbretter), an verbauten Holzbauplatten (OSB-Platten, Dämmplatten) oder in der Dämmschicht aus Mineralwolle entwickeln sowie an der Unterseite der Unterspannbahn.


Nach Umweltbundesamt sind die hygienischen Anforderungen an Dachkonstruktionen aus hygienischer Sicht gering (Nutzungsklasse 4), insbesondere in Mehrfamilienhäusern mit Zugang aus dem Treppenhaus. Wenn werkrechtliche Anforderungen zu erfüllen sind oder eine Gewährleistungspflicht besteht, können andere Ansprüche auf einen mangelfreien Zustand bestehen (z.B. üblicher Neubau-Lieferzustand).


Nicht ganz einfach ist die Unterscheidung zwischen üblichen Schimmel-Anhaftungen an Baumaterialien und schadensbedingt entstandenen Besiedlungen, zumal Holzbläue, also eine Besiedlung mit holzverfärbenden Pilzen in den tieferen Holzschichten, vom Bauherrn hinzunehmen ist. Bei längerer starker Feuchteeinwirkung in Flach- oder Pultdächern kann es zusätzlich zu Befall mit holzzerstörenden Pilzen, wie Weißem Porenschwamm, Hausporling oder Kellerschwamm kommen, der nach DIN 68800 zu sanieren ist (link zu „Holzzerstörende Pilze“)

Alternativ zu oft nicht angemessenen und durchsetzbarer Demontage an Dachstuhlteilen kann eine Kombination aus chemischer Vorbehandlung und mechanischer Nachbearbeitung eingesetzt werden. Hierbei ist jedoch das Sanierungsziel zuvor klar zu definieren denn es gilt rechtliche Ansprüche und technische Möglichkeiten zu beachten. Die Planung und messtechnische Kontrolle erfordert erfahrene Ingenieurbegleitung, die wir unseren Partnern bieten.

Schadensentstehung bei Schimmelschäden an Dachbauteilen

Bei äußerem Feuchteintrag durch Niederschlag oder durch Baufeuchte kann es schon nach 3 - 7 Tagen zu sichtbarer Schimmelkoloniebildung auf Holzoberflächen kommen. Dies weist dann auch beginnende Sporenbildung und -freisetzung in die Raumluft hin. Neben der Bearbeitung des Primärbefalls auf den besiedelten Baumaterialien müssen auch die Sporensedimentationen bei einer sachgerechten Sanierung der Schäden mit entfernt werden.

Hauptangriffspunkte für mikrobiologischen Befall sind dann immer die leichter zu besiedelnden Oberflächen, also Holzwerkstoffe (Pressspanplatten, Dämmplatten, OSB-Platten, Mineralwolle, mit zeitlicher Verzögerung auch die Konstruktionshölzer) und falls schon verbaut die Leichtbauplatten an den Dachunterseiten Gipskarton, Fermacellplatten.

Eine schnelle Abgrenzung und Bearbeitung der Schäden und Sicherung der Schadensbereiche kann oftmals den Umfang der späteren Sanierungsmaßnahmen reduzieren: Feuchtigkeitsursache müssen schnell abgestellt werden, Trocknung eingeleitet, Trennung der der Schadensbereiche von angrenzenden Bereichen durch staubdichten Folien. Bei verschimmelten Leichtbaukonstruktionen, wie Gipskarton-, Zellulose- oder Holzfaserplatten sowie bei verschimmelter Dämmung ist bei intensivem Pilzbefall ein Austausch unvermeidlich.

Ein sporenfreies Material ist bei Holzbauteilen an Dachstühlen nicht der Normalzustand, die Holzbauteile, Dämmungen und Folien sollten jedoch bei Lagerungen, Antransport und Einbau auf Schadensfreiheit geprüft werden und auf der Baustelle keinen anhaltenden Anfeuchtungen ausgesetzt werden. Eine schadensbedingte Besiedlung von Dachmaterialien mit Schimmelpilzen und Bakterien ist durch angepasste Bauabläufe zu vermeiden. Dies ist bei Aufbau von Dachstühlen und Einbau von Putzen und Estrich in den Sommermonaten leichter zu erreichen als bei Bautätigkeit in den Wintermonaten.

Untersuchungsmethoden, angepasste Schimmelmessungen

Durch Nachvollziehen des Schadensszenarios, Baufeuchtemessungen, Materialuntersuchungen an verschiedenen Bauteiloberflächen, Hohlraumbeprobungen durch Luftmessungen und anschließende Mikroskopie in zuverlässigen Analysenlaboren kann Schimmelbefall zuverlässig und schnell ermittelt werden, eine Abgrenzung zu unbelastetem Material vorgenommen werden und auch der Reinigungsbedarf in Folge der Sporenausbreitung ermittelt werden.

Falls benachbarte Räume bereits in Nutzung sind können zusätzlich Schimmelpilzmessungen in der Raumluft und auf Oberflächen vorgenommen und Aussagen zur Raumlufthygiene, Gesundheitsgefährdung und weiteren Nutzung getroffen werden. Basis dieser messtechnischen Untersuchungen sind die Vorgaben des Umweltbundesamtes UBA und der DIN 16000.

Sanierungsmaßnahmen an verschimmelten Dachbauteilen

Die Vorgehensweise bei der Sanierung sollte angemessen zu den festgestellten Schäden sein. Dies erfordert im Vorfeld eine genaue Beprobung und Erfassung der besiedelten Materialien, Abgrenzung der Schadensbereiche von unauffälligen Bereichen und nicht besiedelten Materialien.

Nach dem Dachstuhl-Urteil des BGH haben Bauherrn weitgehende rechtliche Anspruchsmöglichkeiten diesen in der Baupraxis selten erreichten schimmelpilzfreien Zustand. Vor einer Sanierung von Schäden sollte zwischen Bauträger und Bauherrn unter Einbeziehung des Sachverständigen abgestimmt werden, welche Möglichkeiten der Schadensbehebung bestehen und welcher Zustand Ziel der Sanierung sein soll. Hier reicht das Spektrum vom bloßes Deaktivieren und Reinigen des Befalls zum Beispiel durch Wasserstoffperoxid, über eine Trockeneisbehandlung bis zum Komplettaustausch der befallenen Bauteile oder im Extremfall des gesamten Dachstuhls.

Hat sich der Befall ausschließlich auf massiven Holzträgern oder Schalbrettern des Daches entwickelt, kann oft auch durch gezielte Oberflächenbearbeitung eine nachhaltige Verbesserung erzielt werden. Besiedelte Leichtbauplatten (OSB-Platten, Dämmplatten) weisen häufig tiefer endringenden Befall auf und müssen daher oft ausgetauscht werden.

Eine Behandlung mit wirksamen chemischen Präparaten führt dazu, dass bei der mikroskopischen Nachkontrolle kein Pilzmyzel mehr gefunden wird, der Befall also nicht nur deaktiviert, sondern auch weitgehend entfernt wird. Die Bearbeitung erfordert meist nur 2 - 3 Tage und ist damit gegenüber den klassischen mechanischen Verfahren deutlich schneller, staubärmer und wirkungsvoller, weil auch schwer erreichbare Ecken und Fugen mit bearbeitet werden können.

In Kombination mit einer gezielten mechanischen Nachbearbeitung ist die chemische Bearbeitung in der Regel ausreichend, um eine ca. 98%-ige Beseitigung der zugänglichen Befallsflächen zu erreichen und ein Wohnen ohne mikrobielle Beeinträchtigungen und Gefährdungen durch Befall oder Präparatreste zu gewährleisten. Beider Bewertung und Betreuung der Maßnahme ist immer darauf zu achten, dass keine Schimmelbefallsflächen oder Restfeuchten in tieferen Schichten des Dachaufbaus verbleiben (Rückseite von Schalbrettern oder Platten,Dämmschichten). Die bei normalem Hausbau eingesetzten Dampfbremsfolien sind nicht geprüft und zugelassen für die Abdichtung gegenüber Befallsflächen im Dachaufbau. Grundsätzlich können verbleibende
Befallsbestandteile, wie Stoffwechselausgasungen (MVOC), Mykotoxine durch die Poren und Stöße des Materials oder an den Rändern oder Leitungsdurchführungen aus den Dachaufbauten in Richtung Innenraumluft eindringen. Eine möglichst vollständige Beseitigung befallenen Materials sollte daher Sanierungsziel sein.

Eine Schimmelpilzsanierung ist nach Vorgaben des Umweltbundesamtes (Schimmelpilz-Leitfaden 2017) und der Neufassung der BG Bau Vorgabe streng geregelt und wird grundsätzlich wie folgt gegliedert:

  1. Sicherungs- und Schutzmaßnahmen an der Einrichtung, Abschottungen, Aufbau einer Zugangsschleuse aus Folien vor dem Arbeitsbereich, ggf. ergänzt durch eine technische Luftführung/ Luftfilterung für die Reduzierung der Sporenkonzentrationen im Bereich
  2. vollständiger Ausbau der mit Schimmelpilzen befallenen Materialien, Sichtkontrolle und ggf. Folienproben zur Bestimmung der Schadensgrenze am Fußboden
  3. sorgfältige Feinreinigung aller Oberflächen mit H12-Saugern und eine mehrstufige Feuchtreinigung mit desinfizierenden Zusätzen
  4. bei Nachweis des Sanierungserfolges durch Kontrollmessungen

In der Praxis muss Hinzuziehung eines Sachverständigen der konkrete Schadensumfang ermittelt und hiervon ausgehend eine angepasste Sanierungsstrategie festgelegt werden. Wie in allen Schadensfällen sollten die Sanierungsmaßnahmen sowohl den rechtlichen und hygienischen Anforderungen des Bauherrn bzw. der späteren Nutzer entsprechen als auch dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Als Abschlussdokumentation einer sachgerechten Sanierungsmaßnahme sollte eine Kontrolluntersuchung der Oberflächen und der Raumluft durchgeführt werden. Diese Untersuchung bringt Sicherheit für die ausführende Firma, den Eigentümer und Nutzer des Gebäudes.

Unsere Leistungen

Unser Sachverständigenbüro ist seit mehr 20 Jahren ein zuverlässiger und erfahrener Partner für die Untersuchung und Sanierungsplanung bei Schäden an Dächern. Über die Kooperationen zu Sanierungsfachunternehmen können passenden Konzepte und Lösungen erarbeitet werden.



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